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Gesetzgeber muss Patienten genauso schützen wie FluggästeHannover red.| Die KKH-Allianz fordert die Politik auf, das Thema Patientensicherheit in Krankenhäusern stärker in den Fokus zu nehmen. „Während Fluggäste von strengsten Sicherheitsvorschriften profitieren, gibt es in deutschen Krankenhäusern immer noch keine einheitlichen Sicherheitsstandards“, sagt Ingo Kailuweit, Vorstandschef der viertgrößten bundesweiten Krankenkasse KKH-Allianz. „Wir brauchen dringend bundesweit verbindliche Vorschriften, um das Risiko unnötiger Fehler und damit Gefahr für Leib und Leben bestmöglich zu minimieren. Dazu müssen auch gesetzliche Standards zur Krankenhaushygiene zählen.“ Bislang steht es in Deutschland jedem Bundesland offen, ob es Hygieneverordnungen für Krankenhäuser erlässt. Dies haben derzeit nur die Länder Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen getan. „Der Gesetzgeber sollte sich nicht damit abfinden, dass die Sicherheit von Patienten an Ländergrenzen Halt macht“, so Kailuweit. „Hier müssen nachprüfbare Kriterien her, die Hygienestandards in allen deutschen Krankenhäusern definieren.“ In die gleiche Richtung zielt ein Projekt der KKH-Allianz für mehr Sicherheit im OP-Saal. Dabei geht es darum, mithilfe von Erkenntnissen aus der Luftfahrt höhere Sicherheitsstandards in Krankenhäusern zu erreichen, unter anderem durch die konsequente Einführung von Checklisten. Unruhige Nächte im Südwesten vor allem durch Stresswzs.| Der Blick auf den Kalender verheißt nichts Gutes: Am kommenden Tag ist Vollmond. Für viele Baden-Württemberger ist dies Anlass für eine unruhige Nacht: Immerhin leidet im Südwesten nach einer aktuellen DAK-Umfrage fast jeder zweite Berufstätige darunter. „Allerdings wissen wir inzwischen, dass der Vollmond als Verursacher definitiv ausscheidet“, sagt DAK-Sprecher Daniel Caroppo. Mit dem Thema Schlaf hat sich die DAK im aktuellen Gesundheitsreport beschäftigt. Gemeinsam mit Professor Dr. Jürgen Zulley vom Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg, räumt die Kasse mit einigen Vorurteilen zum Thema Schlaf auf. „Es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, dass der Mond keinen Einfluss auf den Schlaf hat“, sagt Professor Dr. Jürgen Zulley. Zuletzt habe das eine Studie aus Österreich bestätigt, die über sechs Jahre lang versucht hat, einen Zusammenhang zwischen der Mondphase und dem Schlaf zu finden. Zulley erklärt das Phänomen: „Es ist vielmehr so: Die selbsterfüllende Prophezeiung, bei Vollmond schlechter zu schlafen, lässt uns dann auch wirklich schlechter schlafen. Dazu müssen wir aber wissen, dass Vollmond ist.“ Im DAK-Gesundheitsreport wurden Erwerbstätige in Baden-Württemberg gefragt, welche Ursachen sie für Ihre Schlafprobleme sehen. Für 40 Prozent sind Stress und Belastungen Schlafkiller Nummer 1. „In unserer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft mit Zeitdruck, Zwang zur Flexibilität und den Anforderungen der Familie kommen viele nachts nicht mehr zur Ruhe“, sagt DAK-Sprecher Caroppo. Weitere beliebte Schlaf-Irrtümer in der Übersicht: Schlaf vor Mitternacht ist der beste – Falsch! Alkohol ist ein gutes Schlafmittel – Falsch! Kalt schlafen ist gesund – Falsch! Wer nachts schlecht schläft, sollte Mittagsschlaf halten – Falsch! Acht Stunden Schlaf pro Nacht sind optimal – Falsch! Volksleiden Schlaflosigkeit nicht unterschätzen![]() Foto: DAK/Schläger wzs.| Etwa die Hälfte aller erwerbstätigen Deutschen schläft häufiger oder manchmal schlecht. Von diesen Schlafgestörten berichten 39 Prozent, dass sie dreimal in der Woche oder häufiger wach liegen. Dies ergab eine Analyse im Rahmen der DAK-Gesundheitsforschung. Das Problem ist oft langwierig: 24 Prozent der Betroffenen klagen darüber seit mehr als zehn Jahren. Ebenso viele haben länger als fünf Jahre Schlafstörungen. Jeder Dritte kann seit über zwölf Monaten nachts keine Ruhe finden. Für viele Betroffene ist der Schlaf darüber hinaus nicht erholsam. So berichtet jeder Vierte der Schlafgestörten, dass sein Schlaf ständig bis häufig nur leicht und oberflächlich ist. „Chronische Schlafstörungen sind keine Bagatelle, sondern müssen ernst genommen werden“, kommentiert Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK die Ergebnisse. „Hält Schlaflosigkeit über einen langen Zeitraum an, steigt das Risiko für Herzinfarkt, Bluthochdruck und psychische Erkrankungen. Sogar die Lebenserwartung kann verkürzt werden“, so Meiners. Gegen leichte Schlafprobleme kann jeder etwas tun. Schweres Essen am Abend oder langes Fernsehen im Bett stören den Schlaf. Hilfreich sind Rituale mit Hilfe von Autogenem Training. Auch regelmäßige Zu-Bett-Geh-Zeiten fördern das Einschlafen. Sofern die Schlaflosigkeit länger andauert, ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll. Umfrage der KKH-Allianz: Nach Aktivurlaub ist die Erholung nachhaltigerHannover red.| Wer sich im Urlaub nur aus dem Hotel bis zur Strandliege und zurück bewegt, ist nach Ferien-Ende deutlich häufiger sofort wieder urlaubsreif als Aktivurlauber. Das ergab jetzt eine repräsentative forsa-Umfrage unter 1.005 Menschen im Auftrag der KKH-Allianz. Wer Wert auf nachhaltige Erholung legt und so stressbedingten Krankheiten vorbeugen will, sollte sich im Urlaub nicht nur auf die faule Haut legen. Die Umfrage brachte ans Licht: Bei 94 Prozent der Urlauber, die wandern, Rad fahren, Ski fahren oder Kultur genießen, hält der Erholungseffekt nach Urlaubsende mindestens mehrere Tage an. Dagegen gab jeder achte Strand- oder Poolurlauber (zwölf Prozent) an, sich im Anschluss gar nicht entspannt und ausgeruht zu fühlen. Offenbar hängt die individuelle Urlaubsplanung stark vom Alter ab: So erholen sich zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen am Strand, während sich bei den 45- bis 65-Jährigen über die Hälfte bei Aktivreisen wohl fühlt. Nachhaltige Erholung scheint auch eine Frage des Geldbeutels zu sein: Menschen mit niedrigem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.500 Euro fühlen sich dreimal so häufig direkt nach Ferienende urlaubsreif wie Menschen mit einem hohen Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro. TrendsportartenAOK.| Balancieren auf einem Brett mit Wespentaille oder mit dem Einrad eine Treppe runterfahren: Wer nicht einfach nur Sport treiben, sondern auf etwas ausgefallenere Art körperlich aktiv sein will, kann auf ein breit gefächertes Angebot von Sportarten und -Geräten zugreifen. Mehr als 450.000 Ergebnisse zeigt das Internet innerhalb weniger Sekunden auf eine Suchanfrage zum Thema “Trendsport” an. Und wer sich nicht gleich dem Kitesurfen, Bungeejumping oder Houserunning verschreiben möchte, kann sich mit relativ einfach in den Alltag integrierbaren Sportarten wie Streetsurfing oder Einradfahren sportlich betätigen. Damit der Spaß ohne böse Folgen bleibt, empfiehlt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband, sich angemessen zu schützen. Immer mehr Jugendliche begeistern sich für das Streetsurfing, das wellenartige Fahren mit dem Waveboard auf Straßen und Gehwegen. In etlichen Schulen wird die Sportart den Schülern sogar im Sportunterricht vermittelt. Denn ähnlich wie das Fahren eines Einrades hält das Streetsurfen fit, trainiert die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn gleichermaßen. Wie beim herkömmlichen Radfahren oder anderen Sportarten wird das Immunsystem gestärkt, die Körperabwehr wird widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger. Der Fettstoffwechsel wird angeregt, und auch der Psyche tut die Bewegung gut. Sturzhelm bietet Schutz Damit die Freude an der Bewegung auch im Fall eines Ausrutschers keinen Schaden nimmt, empfiehlt AOK-Mediziner Ebel den Trendsportlern, sich mit dem richtigen Schutz auszustatten. “Absolut unverzichtbar ist ein Sturzhelm”, sagt Ebel. “Um schmerzhaften Brüchen oder anderen Verletzungen vorzubeugen, sind außerdem Handgelenk-, Knie- und Ellenbogenschoner wichtig.” Das Waveboard basiert auf dem Skateboard, besitzt aber nicht vier breite Räder, sondern nur zwei Inliner-Rollen, die mittig unter dem Board angebracht sind. Jedes Waveboard ist für beide Füße in zwei Bereiche aufgeteilt. Die Füße stehen auf den sogenannten Decks, die flexibel miteinander verbunden sind und sich in der Längsachse gegeneinander verdrehen lassen. Ebenfalls eine Sportart, die praktisch überall betrieben werden kann, ist das Einradfahren. Es fordert (und fördert) Kondition, Konzentration und Geschicklichkeit. Da es mentale Leistungen unterstützen soll, wurde es in Japan sogar als Schulsport eingeführt. In Deutschland wächst die Anhängerschaft stetig. Deutlich mehr als 8.000 Mitglieder zählt der Einradverband Deutschland nach eigenen Angaben derzeit – Tendenz steigend. Eine erste deutsche Meisterschaft im Einradfahren soll nach Verbandsangaben im Herbst in Berlin ausgetragen werden. Wasser ist der beste DurstlöscherAOK.| Wasser ist ein Lebenselixier. “Um gesund und leistungsfähig zu bleiben, sollten Erwachsene täglich eineinhalb bis zwei Liter trinken”, empfiehlt Anita Zilliken, Ernährungswissenschaftlerin bei der AOK. Wer Sport treibt oder anstrengende körperliche Arbeit verrichtet, benötigt wesentlich mehr Flüssigkeit. Bei Hitze sollte man ebenfalls mehr trinken. Wie hoch ihr individueller Trinkbedarf ist, können Interessierte mithilfe des virtuellen Trinkberaters der AOK herausfinden. Der Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser. Er benötigt es vor allem als Baustoff für Körperzellen und -flüssigkeiten, als Lösungsmittel für Stoffwechselabläufe und Transportvorgänge und um den Körper beim Schwitzen abzukühlen. Über die Nieren, durch die Atmung, den Schweiß und die Verdauung verliert der Körper nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit. “Diesen Verlust sollten Sie schnell wieder ausgleichen”, rät Zilliken. Denn Flüssigkeitsmangel schadet der Gesundheit: Der Kreislauf macht schlapp, der Blutdruck fällt oder die Verdauung leidet. Wer zu wenig trinkt, bei dem kann auch das Blut nicht mehr richtig fließen. Dadurch wird der gesamte Körper schlechter versorgt. Die Gehirnleistung und Konzentrationsfähigkeit lassen nach. Die Nieren benötigen für die Entgiftung des Organismus ebenfalls dringend Wasser. Auch wer gut aussehen möchte, sollte reichlich trinken, denn viel Flüssigkeit verbessert die Haut-Spannung. Trinken in den Tagesablauf einplanen Normalerweise liefert die Nahrung etwa ein Drittel des täglichen Wasserbedarfs. Die restlichen zwei Drittel müssen Getränke beisteuern. “Das sind etwa zehn Gläser oder zwei Flaschen Mineralwasser”, sagt Ernährungsexpertin Zilliken. Sie rät, nicht erst zu warten, bis man Durst hat – dann ist der Flüssigkeitspegel nämlich bereits unter das erforderliche Maß gesunken. Besser ist es, das Trinken fest in den Tagesablauf mit einzuplanen und über den ganzen Tag verteilt Flüssigkeit zu sich zu nehmen. “Bereiten Sie am besten morgens die richtige Menge vor und stellen Sie sie griffbereit hin”, empfiehlt Zilliken. Sinnvoll ist es auch, zu jeder Mahlzeit etwas zu trinken. Wer schwitzt, sollte besonders viel trinken. Kalorienfrei und gesund sind Leitungswasser, Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees. Nach Angaben der DGE ist Leitungswasser aus dem öffentlichen Wassernetz einwandfrei und kann bedenkenlos getrunken werden. Problematisch kann lediglich sein, wenn das Wasser in Altbauten durch Blei- oder Kupferrohre fließt. Dann ist es sinnvoll, das Wasser maximal drei Minuten abfließen zu lassen, bevor man es trinkt. Empfehlenswert sind auch Fruchtsaftschorlen. Sie sollten zu zwei Dritteln aus Wasser und zu einem Drittel aus Saft bestehen. “Verzichten Sie auf gekühlte Durstlöscher, sondern trinken Sie lieber in kleinen Schlucken Getränke, die Zimmertemperatur haben”, sagt Zilliken. Denn zu kalte Getränke können Magenbeschwerden verursachen, löschen den Durst nur kurze Zeit und bewirken noch stärkeres Schwitzen. Limonade macht eher durstig Süße Getränke, Limonaden und Cola eignen sich nicht, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Sie enthalten meist viele Kalorien und machen erst recht durstig. Mit Kaffee, koffeinhaltigen Getränken (Energydrinks), schwarzem Tee und vor allem Alkohol sollte man ebenfalls nicht den Durst löschen. Gegen den Genuss von bis zu vier Tassen Kaffee oder schwarzen Tee ist nach Angaben der DGE allerdings nichts einzuwenden. Zu einer Tasse Kaffee ein Glas Wasser zu trinken, schadet nicht, ist laut DGE aber auch nicht notwendig, wie lange vermutet wurde. “Wer will, kann seinen Flüssigkeitsbedarf übrigens auch zu einem Teil mit wasserreichen Obst- und Gemüsesorten decken. Besonders viel Wasser enthalten Melonen, Orangen, Nektarinen und Erdbeeren”, informiert Zilliken. Viele Menschen trinken zu wenig – sei es, weil sie wenig Durst verspüren oder aus Zeitnot heraus nicht dazu kommen. Der virtuelle Trinkberater der AOK hilft dabei, herauszufinden, wie viel man täglich trinken sollte und gibt Tipps, die das tägliche Trinken erleichtern. Die Teilnehmer benötigen nur wenig Zeit, um einen Online-Fragebogen mit Fragen rund ums Trinkverhalten und die momentane Lebenssituation auszufüllen. Etwa einen Tag später erhalten sie dann eine individuelle Trink-Analyse per E-Mail. Dazu gibt es Tipps von Ernährungswissenschaftlern, die auf die persönliche Lebenssituation abgestimmt sind und helfen, das persönliche Trinkverhalten zu optimieren. Mehr zum virtuellen Trinkberater der AOK. AOK.| Konflikte gehören zum Berufsleben dazu. Problematisch ist es, wenn sie nicht gelöst werden, sondern einzelne Beschäftigte als Sündenbock ausgesucht und systematisch und über einen längeren Zeitraum hinweg diskreditiert, gedemütigt, verleumdet, ausgegrenzt und seelisch zermürbt werden. “Dann spricht man von Mobbing”, sagt Regina Herdegen, Präventionsexpertin im AOK-Bundesverband. Psychoterror am Arbeitsplatz macht viele Betroffene krank, außerdem verursacht er in den Betrieben hohe Kosten, etwa durch Fehlzeiten, Ausfälle und Einarbeitungen. “Wichtig ist es daher, Mobbing frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern”, sagt Herdegen. Ein Beispiel aus einer Gewerkschafts-Broschüre: In einer großen Firma wurde umstrukturiert und Beschäftigte entlassen, trotzdem bleibt die Auftragslage schwierig. Dadurch ist ein Klima der Angst, Unsicherheit und verschärften Konkurrenz entstanden. In dieser Situation erhält die engagierte Sekretärin Katja P. die begehrte Stelle einer Assistentin der Geschäftsführung. Ihre Kollegin Tanja S., die länger als sie im Unternehmen arbeitet, fühlt sich übergangen und bringt nach und nach sämtliche Kollegen gegen Katja P. auf. Gespräche verstummen Katja P. verdrängt zunächst erste Anzeichen von Problemen. Erst, als niemand mehr mit ihr die Mittagspause verbringen will und Gespräche verstummen, sobald sie den Raum betritt, versucht sie, mit den Kollegen zu reden. Doch diese weichen ihr aus. Tanja S. greift sie nun offen und vor allen anderen an. Die Situation eskaliert – Katja P. wirkt nervös, unkonzentriert und überfordert. Ihre Kollegen beginnen daraufhin, schlecht über sie zu reden und manipulieren ihre Arbeit. In ihrer Verzweiflung beschwert sich Katja P. bei ihrem Chef über ihre Kollegen. Dieser will aber nicht wahrhaben, was in der Abteilung abläuft, und wiegelt ab. Der Konflikt setzt Katja P. mittlerweile gesundheitlich zu, sie wird für sechs Wochen krankgeschrieben. Als sie an den Arbeitsplatz zurückkehrt, teilt ihr Chef ihr mit, dass sie versetzt werden soll und dass Tanja S. ihre Aufgaben übernimmt. Sie hat keine Kraft mehr, sich dagegen zu wehren. In der neuen Abteilung eilt ihr schon ein gewisser Ruf voraus, sie ist erneut Anfeindungen ausgesetzt. Nach einem weiteren dreiviertel Jahr Psychoterror und mehreren Abmahnungen erhält sie die Kündigung. Sie ist beruflich und gesundheitlich am Ende. Katja P. ist nur ein Beispiel von vielen Arbeitnehmern, die unter systematischen Schikanen am Arbeitsplatz leiden. So werden laut Mobbing-Report, einer Repräsentativstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, in Deutschland etwa drei von 100 Beschäftigten gemobbt. Der Begriff “Mobbing” ist vom englischen Wort “the mob” abgeleitet, was so viel wie “Meute” oder “Pöbel” bedeutet. Mobbing kann jeden treffen “Psychoterror am Arbeitsplatz kommt in allen Branchen vor und kann prinzipiell jeden treffen”, sagt Präventionsexpertin Herdegen. Begünstigt wird Mobbing durch ein schlechtes Betriebsklima und eine mangelhafte Arbeitsorganisation. “Unsicherheiten und ungelöste Konflikte fördern Frust, Konkurrenzdenken und Neid und können den Nährboden für Mobbing bereiten”, warnt Herdegen. Mobbing richtet sich gegen einen einzelnen Mitarbeiter, der systematisch fertiggemacht und in seinem Selbstwertgefühl verletzt wird. Die Attacken sind unfair, dauern länger als sechs Monate an und können sowohl von Kollegen als auch von Vorgesetzten ausgehen. Über die Betroffenen werden beispielsweise Gerüchte verbreitet, sie werden wie Luft behandelt, ihre Arbeit wird schlecht gemacht, sie werden als unfähig dargestellt, ihnen werden Informationen vorbehalten und Überempfindlichkeit unterstellt. Leiden viele Gemobbte anfangs unter psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unwohlsein und Schlafstörungen, kann jahrelanges Mobbing schwerwiegende Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände zur Folge haben. Verbündete suchen “Je länger der Mobbingprozess andauert, desto schwieriger wird es, ihn zu beenden und desto gravierender sind die Folgen”, warnt Herdegen. Betroffenen empfiehlt sie, die Mobbing-Vorfälle schriftlich festzuhalten und zu versuchen, unbeteiligte Kollegen als Verbündete zu gewinnen. Hilfreich kann es auch sein, falls vorhanden, den Betriebsarzt und den Betriebsrat ins Vertrauen zu ziehen. Bei Konflikten zwischen Kollegen ist es sinnvoll, frühzeitig den Vorgesetzten zu informieren. Geht das Mobbing vom Chef aus, kann sich der Betroffene an den nächst höheren Vorgesetzten wenden, sollte dies allerdings nicht ohne Beistand, etwa durch den Betriebsrat, tun. In festgefahrenen Situationen ist es mitunter ratsamer, sich an externe Anlaufstellen zu wenden, etwa eine Mobbingberatungsstelle, Selbsthilfegruppe oder Psychologen. Den Mobber direkt anzusprechen, bringt in den meisten Fällen nicht viel, kann aber das Selbstbewusstsein stärken. “Versuchen Sie außerdem, sich zu entspannen und abzulenken, damit das Mobbing nicht zum beherrschenden Thema in Ihrem Leben wird”, empfiehlt Herdegen. Kollegen sollten Partei für das Opfer ergreifen Kolleginnen und Kollegen können eine ganze Menge dazu beitragen, dass die Situation nicht eskaliert. “Wer mitbekommt, dass ein Kollege gemobbt wird, sollte Intrigen und abwertendes Gerede nicht unterstützen, sondern Partei für das Opfer ergreifen”, sagt Herdegen. Sinnvoll ist es auch, den Kollegen anzusprechen und Unterstützung anzubieten, indem man ihn beispielsweise bei klärenden Gesprächen begleitet. Wichtige Rolle der Führungskräfte Eine wichtige Rolle kommt auch den Führungskräften zu. Um keinen Nährboden für Psychoterror zu schaffen, sollten sie Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar regeln, Entscheidungen transparent darstellen, sich gesprächsbereit zeigen und Meinungsverschiedenheiten klären. Gerüchte und Klatsch sollten sie kritisch bewerten und sensibel für das Klima im eigenen Verantwortungsbereich sein. “Tritt dennoch ein Mobbing-Fall auf, sollte der Vorgesetzte von dem mobbenden Mitarbeiter eine Änderung des Verhaltens fordern und Sanktionen verhängen, falls dieser der Forderung nicht nachkommt”, sagt Herdegen. Betriebs- und Personalräte als Vermittler Die Aufgabe, in einem konkreten Fall als Vermittler oder Schlichter aufzutreten, kommt auch Betriebs- und Personalräten zu. Sie sollten dem Betroffenen zunächst ein Gespräch anbieten und versuchen, die Situation zu analysieren. Ist dieser einverstanden, können sie beide Parteien zu einem Gespräch bitten. Am Ende sollte eine von beiden Seiten getragene Regelung stehen, wie mit dem Konflikt weiter umgegangen wird. Ist der Vorgesetzte selbst der Mobber, sollten Betriebs- und Personalräte dem Betroffenen anbieten, mit ihm zusammen ein klärendes Gespräch zu führen. Damit Mobbing gar nicht erst entsteht, sollten Betriebs- und Personalräte sich für gute betriebliche Rahmenbedingungen einsetzen und sich beispielsweise bei der Planung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen einbringen. In Mitarbeiterbefragungen können sie die Stimmung und mögliche Probleme im Unternehmen herausfinden. Wichtig ist es auch, dass sie Fortbildungen besuchen, die Kollegen über das Thema Mobbing informieren und Ansprechpartner benennen, an die sich Betroffene im konkreten Fall wenden können. Sinnvoll kann außerdem sein, eine Anti-Mobbing-Betriebsvereinbarung zu erarbeiten. “Sie kann bereits im Vorfeld abschreckende Wirkung haben”, sagt Herdegen. |
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